Im Rahmen unserer Veröffentlichung (u. a. auf unserer Webseite) vom 24.01.2025 haben wir angekündigt, zu den fünf Fragen der CDU-Fraktion an das Dezernat V und die entsprechenden Antworten der Verwaltung dezidiert Stellung zu beziehen.
Zielsetzung der Fragen von Seiten der CDU-Fraktion war wohl, fachlich fundierte Antworten des Dezernates V zu bekommen. Auf Grundlage dieser fachkundigen Erläuterungen durch die Verwaltung wäre die Politik dann in die Lage versetzt worden, fundiertere und sachgerechtere politische Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Drogenkonsumraum bzw. der offenen Drogenszene am Neumarkt zu treffen. Aufgrund der seit langem kritischen Situation durch die massiven Auswirkungen der sichtbaren Drogenszene rund um den Neumarkt mit ihren vielschichtigen negativen Auswirkungen und Belastungen für das gesamte innerstädtische Umfeld war und ist das Auskunftsersuchen aus unserer Sicht und der Sicht der betroffenen Bürger zu begrüßen.
Die Beantwortung durch das von Herrn Dr. Rau geleitete Dezernat V erfüllt diese Anforderung aber bedauerlicherweise in keinem Fall. Im Gegenteil, es leiten sich aus der dürftigen Beantwortung eher eine nicht unerhebliche Anzahl von Zusatzfragen ab.
Grundsätzlich hätten alle Fragen im Sinne der Fragesteller auf Basis von bereits vorliegenden Daten aus dem Suchtbericht NRW 2023, den spezifischen periodisch zu meldenden Daten aus dem Drogenkonsumraum im Gesundheitsamt bzw. den Daten aus der gegenüberliegenden Substitutionsambulanz sowie den Erkenntnissen des aufsuchenden Suchtclearings vollumfänglich zeitnah beantwortet werden können. Ferner hätte auch die Polizei, die Sicherheitsmitarbeiter der KVB sowie die beiden engagierten Kümmerer befragt werden können und müssen.
Warum für diese Fragen – bei einem Dezernat von rd. 2.200 Mitarbeitern – neun Wochen Bearbeitungszeit notwendig war, ist auch bei wohlwollender Betrachtungsweise für uns nicht nachvollziehbar.
Nimmt man als Vergleich jedoch den sonst üblicherweise von der Kölner Verwaltung benötigten Zeitraum für diverse Anfragen aus der Politik bis zur Veröffentlichung einer Beantwortung als Maßstab, ist die Beantwortung der in Rede stehenden Anfrage der CDU-Fraktion vergleichsweise im Eilverfahren erfolgt. Auf den durch die Verwaltung beanspruchten Zeitraum für die Umsetzung von Ratsbeschlüssen, wo mehrere Jahre keine Seltenheit ist, wollen wir an dieser Stelle nur im weiteren Verlauf auf den Aufbau und die Organisation der Drogenhilfestruktur in Köln weiter eingehen.
Einige Beispiele in diesem Zusammenhang: Masterplan Sauberkeit, Masterplan Sicherheit, Versuche zur Verlängerung der Öffnungszeiten im Drogenkonsumraum sowie – sozusagen als Highlight – die Umsetzung des Ratsbeschlusses zum Aufbau eines dezentralen Hilfsangebote für Suchtabhängige.
Wir bewundern im Allgemeinen aber vor allem beim letzten Punkt unserer beispielhaften Aufzählung die Geduld des Rates der Stadt Köln, insbesondere vor dem Hintergrund der immer stärker werdenden öffentlichen Diskussion/Kritik in den Medien und in der Stadtgesellschaft über die sich stetig verschlechternden Zustände am Neumarkt. Und dies erstaunlicherweise vor dem Hintergrund, dass bei öffentlichen Auftritten von Vertretern des Dezernates V immer wieder schnelle und unkomplizierte Hilfe für die betroffenen Drogenabhängigen allein schon aus humanitären Gründen eingefordert wird.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Fragen aufgrund der vorhandenen Datenlage nach unserer festen Überzeugung auch noch irreführend, unwahr und nicht den Möglichkeiten entsprechend beantwortet wurden. Sie sind somit nicht geeignet, um fundierte politische Entscheidungen hieraus abzuleiten zu können. Offen bleibt für uns die Frage, ob dies aus Nachlässigkeit oder mit Vorsatz erfolgte.
Wir haben als Bürgerinitiative Zukunft Neumarkt e. V. der CDU-Fraktion unsere Wertung der Antworten des Dezernates V erläutert und sie mit entsprechenden Dokumenten und Veröffentlichungen unterlegt. Darüber hinaus haben wir hierzu umfangreiche Zusatzinformationen vorgetragen.
Im Gesundheitsausschuss, der am 28.01.2025 tagte, erläuterte Herr Dr. Rau als verantwortlicher Dezernent die hier gestellten Fragen bzw. deren Beantwortung und wies im Grundtenor anscheinend selbstzufrieden darauf hin, dass die getroffenen Hilfsmaßnahmen rund um den Neumarkt und explizit im Drogenkonsumraum den geforderten Zielen entsprechen.
Sollten sich die anwesenden Ausschussmitglieder mit diesen Aussagen zufriedengeben, was wir aus unserer Einschätzung heraus nicht glauben, würde das bedeuten, dass es mit einer verfehlten Drogenpolitik rund um den Neumarkt munter weitergeht.
Das würde zur Folge haben, dass der Niedergang der Kölner Innenstadt – geprägt durch die Alkohol konsumierende, obdachlose Drogenszene vor Ort mit deren negativen Erscheinungsformen – ungebremst weitergeht. Dies würde zwangsläufig zu einem nachhaltigen und mittelfristig nicht mehr zu korrigierenden wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang der Kölner Innenstadt führen.
Alle bisher getätigten Investitionen in Millionenhöhe rund um den Neumarkt mit dem Ziel eine Umfeldverbesserung herbeizuführen, sind Investitionen in die Zukunft. Sie kommen aber erst dann voll inhaltlich zum Tragen bzw. können als sinnvoll bezeichnet werden, wenn es endlich gelingt, mit geeigneten Maßnahmen eine erhebliche Reduzierung der fortschreitend aggressiven offenen sowie zunehmend verwahrlosten Drogenszene erfolgreich herbeizuführen.
Für den Gesamtvorstand
Walter Schuch